Juni 2026
EU-China-Debatte: Steigende Möbelimporte erhöhen den Wettbewerbsdruck
Die Europäische Union verschärft ihren wirtschaftspolitischen Kurs gegenüber China.
Hintergrund sind das kontinuierlich wachsende Handelsdefizit sowie steigende Importe in
zahlreichen Industriesektoren. Auf dem jüngsten EU-Gipfel herrschte weitgehend Einigkeit
darüber, dass Europa bestehende Handelsschutzinstrumente konsequenter nutzen und
Wettbewerbsverzerrungen wirksamer begegnen muss.
Nach Einschätzung von Industriekommissar Stéphane Séjourné bleibt dafür nur ein
begrenztes Zeitfenster. Das Handelsdefizit der Europäischen Union mit China liegt bereits
heute bei rund einer Milliarde Euro pro Tag und könnte bis 2027 gesamt auf 500 Milliarden
Euro anwachsen.
Während Frankreich, Belgien, Polen, Niederlande, Schweden, Dänemark und Litauen einen
strengeren handelspolitischen Kurs unterstützen, setzen Deutschland, Spanien und
Griechenland auf Dialog und wollen einen umfassenden Handelskonflikt vermeiden.
Auch Österreich spricht sich für eine Neuausrichtung der Beziehungen zu China aus.
Bundeskanzler Christian Stocker plädiert dafür, China stärker als systemischen Rivalen zu
betrachten und bestehende handelspolitische Instrumente weiterzuentwickeln. Ergänzend
wurde ein europäischer Werkzeugkasten vorgeschlagen, um auf Wettbewerbsverzerrungen
schneller reagieren zu können.
Die Diskussion hat auch für die österreichische Möbelindustrie unmittelbare Bedeutung. Die
Möbelimporte aus China sind 2025 um mehr als 17 Prozent gestiegen und haben damit
deutlich stärker zugelegt als der Gesamtmarkt. Der anhaltende Importdruck verschärft den
Wettbewerb in einer Branche, die sich in einem anspruchsvollen Marktumfeld behaupten
muss.
Die österreichische Möbelindustrie produziert überwiegend im Inland und sichert damit
Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielles Know-how am Standort Österreich. Ihre
Unternehmen investieren kontinuierlich in moderne Fertigung, Digitalisierung und Innovation
und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur industriellen Entwicklung des Landes.
Angesichts des steigenden Importdrucks fordert die Österreichische Möbelindustrie faire
Wettbewerbsbedingungen und wirksame handelspolitische Instrumente. Offene Märkte
bleiben eine wesentliche Grundlage für internationalen Handel, gleichzeitig braucht es aber gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer.
Entscheidend muss sein, dass Unternehmen, die in Österreich produzieren und investieren,
auch künftig unter vergleichbaren Marktbedingungen mit internationalen Anbietern
konkurrieren können. Faire Wettbewerbsbedingungen sind die Grundlage dafür, industrielle
Wertschöpfung und Arbeitsplätze am Standort zu sichern.
„Die österreichische Möbelindustrie stellt sich dem internationalen Wettbewerb.
Voraussetzung dafür sind jedoch vergleichbare Bedingungen für alle Marktteilnehmer. Der
starke Anstieg der Möbelimporte aus China zeigt, wie schnell sich die Märkte verändern.
Europa ist deshalb gefordert, bestehende Instrumente konsequent zu nutzen und dort
nachzuschärfen, wo Wettbewerbsverzerrungen entstehen“, sagt Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie.