(Foto: TEAM 7)
August 2026
Waren wir zu nett zu China?
Diese Frage stellt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in einer ausführlichen Analyse über den zunehmenden Druck auf die deutsche Industrie. Vieles davon lässt sich auf Österreich übertragen.
China ist längst nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens. Das Land ist in vielen Branchen selbst zum technologisch starken Wettbewerber geworden. Europa hat lange von günstiger Produktion und einem riesigen Absatzmarkt profitiert. Heute treffen europäische Unternehmen auf chinesische Konkurrenten mit enormen Produktionskapazitäten und einer staatlichen Industriepolitik, die strategische Branchen gezielt unterstützt.
Die FAS zeigt an zahlreichen Beispielen, wie ungleich die Voraussetzungen inzwischen sind. Chinesische Unternehmen erhalten hohe Subventionen, europäischen Unternehmen wird der Zugang zum chinesischen Markt teilweise erschwert. Dazu kommen Abhängigkeiten bei Rohstoffen und Technologien.
Österreich trifft diese Entwicklung als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft. Wir brauchen offene Märkte. Wir produzieren aber auch zu den Kosten eines Hochlohnlandes. Energie und Arbeit sind teuer, die regulatorischen Anforderungen hoch. Und auch innerhalb Europas haben sich starke Produktionsregionen entwickelt.
Die österreichische Möbelindustrie kennt diesen Wettbewerb seit Langem. Viele Unternehmen fertigen nach wie vor im eigenen Land. Moderne industrielle Produktion und ein hoher handwerklicher Anteil gehen dabei eng zusammen. Das Wissen über Holz und andere Materialien, ihre Verarbeitung und die Qualität der Fertigung ist über Generationen gewachsen.
Das gehört zur Stärke österreichischer Möbel. Und vielleicht auch ein Stück weit zur Seele Österreichs. Denn mit der Produktion verschwindet irgendwann auch das Wissen, das an ihr hängt. Ist es einmal verloren, lässt es sich nur schwer zurückholen.
Damit rückt auch „Buy European“ für die österreichische Möbelindustrie stärker in den Fokus. Europäische Wertschöpfung bei öffentlicher Förderung und Vergabe stärker zu berücksichtigen, kann ein Weg sein. Wo staatliche Subventionen den Wettbewerb verzerren, braucht Europa handelspolitische Antworten.
Gleichzeitig entscheidet sich Wettbewerbsfähigkeit zu Hause. Unternehmen müssen investieren und neue Technologien einsetzen können. Und sie müssen mit Produkten aus österreichischer Fertigung auf internationalen Märkten erfolgreich sein können.
Waren wir also zu nett zu China? Vielleicht haben wir vor allem zu lange unterschätzt, wie sehr sich die Bedingungen verändert haben.
Für die österreichische Möbelindustrie kommt es darauf an, ihre Stärken in Qualität, Fertigung und handwerklichem Können international auszuspielen. Dazu braucht sie Rahmenbedingungen, die Produktion in Österreich im Wettbewerb ermöglichen.
(Foto: TEAM 7)