August 2026
Was der Boom der Billigplattformen Österreich kostet
Der Boom von Temu, Shein und AliExpress hat für Österreich einen Preis. Eine aktuelle Untersuchung der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) im Auftrag des Handelsverbands zeigt erstmals die wirtschaftliche Dimension. Knapp 570 Millionen Euro Bruttoumsatz entgehen dem heimischen Handel jährlich. Der Verlust an Wirtschaftsleistung beträgt rund 212 Millionen Euro, mehr als 1.600 Arbeitsplätze sind betroffen. Knapp 100 Millionen Euro fehlen bei Steuern und Abgaben.
Was lange vor allem als Konkurrenz durch extrem niedrige Preise und eine Flut kleiner Pakete wahrgenommen wurde, ist damit zu einem volkswirtschaftlichen Faktor geworden. Denn die Umsätze fehlen bei heimischen Unternehmen und mit ihnen Wertschöpfung, die sonst in Österreich entstehen würde. Die Studie erfasst allerdings nur die wirtschaftliche Seite. Hinzu kommt die Produktsicherheit. Wie ernst das Problem ist, zeigt eine EU-weite Kontrolle von rund 20.000 Spielzeugen und kleinen Elektrogeräten aus dem Onlinehandel mit Drittstaaten. Mehr als die Hälfte entsprach nicht den europäischen Vorschriften. Eine Auswahl wurde anschließend im Labor untersucht. 84 Prozent der getesteten Produkte erwiesen sich als gefährlich. Festgestellt wurden unter anderem Risiken durch Chemikalien, Stromschlag oder Verschlucken. Für europäische Hersteller sind die Sicherheitsvorschriften verbindlich und unmittelbar durchsetzbar. Bei der Masse der Direktimporte aus Drittstaaten ist das ungleich schwieriger.
Und die Verantwortung endet nicht mit dem Verkauf. Was nach Europa importiert wird, muss hier irgendwann auch entsorgt werden. Europäische Unternehmen beteiligen sich an den dafür vorgeschriebenen Systemen und tragen deren Kosten mit. Grundsätzlich gelten diese Pflichten auch für ausländische Versandhändler. Entscheidend ist jedoch, dass sie ebenso konsequent durchgesetzt werden. Sonst bleibt ein Teil der Folgekosten dort, wo die Ware konsumiert und entsorgt wird: in Europa. Inzwischen hat die EU auf die wachsenden Direktimporte reagiert. Seit 1. Juli gilt für Kleinsendungen aus Drittstaaten ein Pauschalzoll von drei Euro. Nach Angaben der Österreichischen Post ist das Paketvolumen aus Fernost seitdem um durchschnittlich 26 Prozent zurückgegangen. Ein deutliches Signal, auch wenn der Zoll allein die strukturellen Unterschiede nicht beseitigen kann.
Für die Österreichische Möbelindustrie ist deshalb entscheidend, die Debatte nicht beim Drei-Euro-Zoll enden zu lassen. Wer in Europa verkauft, muss hier auch für seine Produkte einstehen und die geltenden Verpflichtungen erfüllen. Das ist keine Frage der Abschottung. Es ist eine Frage der Bedingungen, unter denen Wettbewerb auf dem europäischen Markt stattfindet.